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Sonntag, 17. April 2016

Auf 'nem anderen Stern.

Wenn ich mir die Worte der letzten Jahre durchlese, fühlt sich das meiste so irreal an. Es ist, als würden Szenen aus Filmen vor mir abgespielt werden, bei denen ich nur ein Zuschauer war. Manche Erinnerungen sind so verzerrt, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, dass ich überhaupt etwas davon erlebt, geschweige denn darüber geschrieben habe. Die meisten Geschichten beginnen so, wie sie aufhören. Und ich habe das Gefühl, dass sich von der ersten, bis zur letzten nichts geändert hat. Mir ging es meistens mies und ich musste irgendwo hin mit den Gefühlen. Aber langsam denke ich, dass mich das nicht weiterbringt. Was ich damals gebraucht habe, fühlt sich heute an, wie unnötiger Ballast. Ich komme auch so klar, ohne diese Situationen irgendwo festzuhalten. Wenn ich sie vergessen habe, komme ich nur irgendwann wieder darauf zurück und merke, dass es mir vielleicht doch noch nicht so egal ist, wie ich dachte. Zwischen meinem heutigen Ich und dem Jan, der damals anfing, seine Gedanken in Buchstaben umzuwandeln, liegen Welten. Heute fühlt es sich an, wie das Leben auf 'nem anderen Stern. Und deshalb sollte ich damit abschließen.

Auch wenn es nicht viele waren, möchte ich den Leuten danken, die mir in der Zeit immer wieder aufmunternde Worte geschrieben und mich das eine oder andere Mal wieder auf den Boden zurückgeholt haben. Das hat mir wirklich gut getan.

Aber ich denke, es ist an der Zeit, ein Ende für dieses Buch zu finden.
Und was ist schon ein besserer Zeitpunkt, als dieser? Ein Neuanfang im Leben. Neue Menschen um mich herum. Ein neues Haus, in dem ich lebe. Eine neue Liebe, die mich auf meinem Weg begleitet.
Mir fällt keiner ein, deshalb ist es wohl dieser.  Obwohl ich morgen meine Zwischenprüfung schreibe, obwohl ich viel zu viele Leute zu meiner Geburtstagsparty eingeladen habe, obwohl ein wunderschönes Wochenende zur Neige geht, bin ich die Ruhe selbst.
Und jetzt gerade, wenn ich auf mein Leben zurückblicke, stresst mich so wenig, wie noch nie. Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist. Endlich einmal hat dieses Sprichwort beim Aussprechen keinen bitteren Beigeschmack.


Lasst euch nicht unterkriegen. Auch, wenn man mal einige Zeit nicht mehr lächeln kann, geht es irgendwann bergauf. Man darf sich nur nicht aufgeben. Vor 5 Jahren hätte ich jemandem für diesen Spruch auch einen Vogel gezeigt. Aber es ist wahr. Ich liebe mein Leben, genau so, wie es jetzt ist.
Macht es gut, liebe Leser. Falls hier noch mehr als die sind, mit denen ich Kontakt habe. Euch erzähle ich natürlich weiterhin davon, wenn es etwas neues gibt. :)


"Ich sag': "Lebe wohl!" zu den alten Geschichten, weil sie so lang schon mein Leben vergiften."




Ende

Mittwoch, 30. März 2016

Fickt euch selbst und danke sehr.

Man lässt Menschen aus den verschiedensten Gründen aus seinem Leben ziehen. Manchmal zerbricht das Vertrauen zu jemandem. Oder man verliert sich aus den Augen, weil man nichts mehr miteinander unternimmt. Manche ziehen weiter, weil sie ihre Ziele erreichen wollen. Und manche verjagt man, weil man sie nicht mehr sehen will.

Das alles passiert im Leben mehr als nur einmal. Daran gewöhnt man sich. Seiner eigenen Mutter zu sagen, dass sie für einen nicht mehr existiert, ist eine Sache. Wenn sich genügend Abneigung angesammelt hat, ist es nur noch ein kleiner Schritt. In den ersten Wochen, vielleicht auch Monaten, tut es noch weh. Man zweifelt auch mal daran, dass es die richtige Entscheidung war.
Aber was wirklich weh tut, ist der Verlust der ganzen Familie von dieser Seite.
Es ist so, als würde man von einem Freundeskreis ausgegrenzt werden, mit dem man sein ganzes Leben verbracht hat. Nur blutet diese Wunde länger. Freunde kann man woanders finden. Doch die halbe Familie kann man nicht einfach ersetzen. Da fehlt etwas und da wird immer etwas fehlen.

Vor allem, wenn man als einziger nicht mehr am Familientisch willkommen ist. Wenn es heißt: "Ich melde mich." und kein Anruf kommt. Wenn man wochenlang vergebens auf eine Einladung zu einem Geburtstag wartet, bis es dann mit dem nächsten weitergeht. Wenn man jedes Mal Grüße an alle ausrichten lässt, wenn man einen von euch sieht und diese nie erwidert werden.

Danke für nichts. Wieder einmal. Irgendwie dachte ich, dass ihr damals gemerkt hättet, dass ich nicht der taffe Kerl bin, der ich zu sein schien. Dass euch etwas daran liegt, wie es mir geht. Und das nicht nur, wenn etwas passiert ist.
Vielleicht sollte ich euch auch abschreiben. Nicht alle. Aber leider die meisten.

Mittwoch, 17. Februar 2016

Mein letzter Gruß

Und so stehst du vor dem, was ein gemeinsames Zuhause war.
Ein einsamer Ort, den du selbst erschaffen hast.
Du wärst mal gegen jeden aufgestanden, der zwischen euch stand.
Und verlierst nun selbst den Glauben daran.

Es ist, als ob man einen guten Freund enttäuscht.
Es ist, wie wenn man jemanden auslacht, der weint.
Es fühlt sich an, als ob du lügst und doch die Wahrheit sprichst, dass es so besser ist.
Es fühlt sich an, als ob man einen Engel quält.
Jemanden bestraft, der's nicht verdient.
Dies ist mein letzter Gruß an Dich.

Und so lässt du zurück, worauf du mal geschworen hast.
Hinter dir nur Trauer, Wut und ein gebrochenes Herz.
Schuld auf deinen Schultern - hast du wieder nur an dich gedacht?
Und ist dein Glück wirklich das einzige, was zählt?

Es ist, als ob man einen guten Freund enttäuscht.
Es ist, wie wenn man jemanden auslacht, der weint.
Es fühlt sich an, als ob du lügst und doch die Wahrheit sprichst, dass es so besser ist.
Es fühlt sich an, als ob man einen Engel quält.
Jemanden bestraft, der's nicht verdient.
Dies ist mein letzter Gruß an Dich.

Und so stehst du vor dem, was ein gemeinsames Zuhause war.
Und so lässt du zurück, worauf du mal geschworen hast.
Und so wird dies mein letzter Gruß.
Und so dreh' ich mich um und laufe los.

Lebe wohl.

Freitag, 5. Februar 2016

Wie ist es so? Wir vermissen dich.

Hallo Opa. Wie geht es dir?
Du bist schon eine ganze Weile weg. Und man merkt es jeden Tag. Ich frage mich, seit ich hier wohne, wie es wohl wäre, wenn du noch da wärst. Du hast dir immer gewünscht, mehr von uns zu hören und öfter was zu unternehmen. "Wollen wir nicht mal wieder zu McDoof? Du hast noch eine Einladung offen." "Tut mir leid Opa, ich bin auf dem Sprung. Gern ein anderes Mal."
Schätze, jetzt ist es zu spät, um das Angebot anzunehmen. Ich bereue es, dass ich mir die Zeit für dich nicht einfach genommen habe. Mir war die Vergänglichkeit der Familie nicht bewusst, bis du ins Krankenhaus kamst. Ich habe nicht einmal daran gedacht, dass es so schnell passieren kann. Gerade bei dir. Du warst immer so unverwüstlich. Und selbst jetzt merke ich noch irgendwie, dass du hier gelebt hast und dein Herzblut dafür gegeben hast, dass es schön ist.
Es kommen immer noch Briefe für dich. Rechnungen und irgendwelche Zahlungen, obwohl alle wissen, dass du nicht mehr hier wohnst. Idioten, oder? Du würdest die wahrscheinlich einfach zerreißen und in den Müll werfen, wenn du noch da wärst. Es scheint eine Ewigkeit ohne dich vergangen zu sein. Gleichzeitig fühlt es sich an, als hätte ich dich vor ein paar Tagen das letzte mal in den Arm genommen. Dennoch fehlst du sehr. Ich habe es geliebt, am Wochenende beim Frühstück mit dir Kreuzworträtsel zu lösen. Es schien immer so einfach, als du sie gemacht hast. Du kanntest wahrscheinlich schon alle Fragen und Lösungsmöglichkeiten auswendig, gib's zu. :)
Oma, Tomas und ich kommen dich später besuchen. Ich freue mich, dich zu sehen. Wir können dann ja noch ein bisschen reden, wenn du Lust hast.

Ich habe dich lieb, Opa. Bis nachher. ♥

Samstag, 30. Januar 2016

Changing life.

Es ist nicht einfach, das weiß wohl jeder. Seinen schlechten Gewohnheiten abzuschwören und sie zu ändern. Auch, wenn man weiß, dass es für einen selbst und auch andere angenehmer ist. Ich habe.. nein, ich BIN Chaos. Organisation und Ordnung haben sich nie gut mit mir verstanden. Ob es die Planung von meinem Tag ist, oder einfach die Disziplin, dass ich jetzt mal aufstehe und etwas tue.
Doch seit einiger Zeit komme ich schon besser klar. Ich stehe morgens pünktlich auf, mache mich fertig, bin meistens 5 Minuten vor dem Zug am Bahnhof und bin immer auf Arbeit oder in der Schule, wenn ich nicht krank bin. Aber bis 11 Uhr verschlafen gibt es nicht mehr. Mir ist nicht klar, welches der Ereignisse in letzter Zeit diesen Schalter betätigt hat. Vielleicht hat jedes seinen Teil dazu beigetragen. Gestern habe ich von dem Menschen, der früher noch weniger gerissen hat als ich, einen Satz zu hören bekommen, der jetzt wohl ziemlich tief sitzt.

"Weißt du.. früher war ich noch um einiges schlimmer mit der ganzen Scheiße. Aber seit ich einen Job habe, nehme ich mir jedes Wochenende einfach die Zeit und mache die Dinge, auf die keiner Bock hat. Aufräumen, Rechnungen bezahlen, putzen und so weiter. Und dir muss auch klar sein, dass du die Verantwortung für dein Leben hast und das ganze in den Griff bekommen musst. Das ist dein Problem, weshalb du auch immer wieder in so ein Loch rutschst. Und wenn ich das schaffe, dann schaffst du das auch. Da bin ich mir sicher."

Was soll ich sagen.. ehrliche Freunde sind das beste, was man haben kann. Danke, dass du mir den Rücken gestärkt hast und mir mal klipp und klar gesagt hast, wie du das siehst.

Heute habe ich alles von meinem Plan abgearbeitet. Und es ist ein gutes Gefühl. Sollte ich in Erinnerung behalten. Für das nächste Mal, wenn ich überlege, ob ich etwas jetzt oder später erledige.
Demnächst geht's dann wohl auch mal zum Arzt, ob er mir irgendetwas empfehlen kann, womit ich ein bisschen geordneter vorgehe. Eine Therapie oder so, in der ich an meinem Organisations'talent' arbeiten kann. Das wäre super.

Gleich geht's zu 'nem guten Freund auf den Geburtstag. Ich bin zwar immer noch von gestern verkatert, aber hey. Er freut sich auf mich, also bin ich da. Gestern habe ich mich dazu entschlossen mich zu betrinken, also muss ich jetzt die Verantwortung dafür übernehmen. Bin selbst Schuld daran, warum soll er denn einen Gast weniger haben?
Also ab unter die Dusche, sonst komme ich zu spät. Das möchte ich unbedingt vermeiden.

Ich danke jedem, der gestern da war, für seine Worte. Ihr seid die besten. ♥

Sonntag, 24. Januar 2016

Explosion.

Was da gerade schlägt, ist kein Herz. Das ist ein Verbrennungsmotor, der seine Kolben von innen gegen meinen Brustkorb hämmert. Kann mich auch nicht daran erinnern, dass es schon einmal so wild und stark geschlagen hat. Wie ein Flipperautomat mit Kontaktminen, die im Vier-Viertel-Takt ausgelöst werden. Eine scheiß Kettenreaktion aus Explosionen in meinem Körper, die das Blut nicht pumpen, sondern schießen. Die Zähne knirschen, der Körper zittert wie bei 'ner Badetour im Eismeer. Tasten treffen ist auch schon leichter gewesen.

Mir fehlen die Worte. Ernsthaft, ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Jeder will Verständnis für seine Probleme, aber wenn ich sage, dass ich gerade mal nicht dazu in der Lage bin, soziale Kontakte zu pflegen, weil ich in jeder Sekunde von 0 auf 180.. sagen wir lieber auf 3600 gehen kann, bin ich ein Heuchler. Ich heuchle mein Verständnis für Probleme. Die Szene, um die es sich handelt, habe ich noch im Kopf, als wäre es vor 5 Minuten passiert. Ich habe geheult wie ein Kind, war verzweifelt und hab den Schmerz von früher wieder gefühlt. Das war wie eine Zeitreise in meinen privaten Holocaust, weil die beschriebenen Gefühle genau das waren, was ich erlebte. Ich weiß ganz genau, wovon wir gesprochen haben. Ich weiß ganz genau, wie es sich anfühlt. Wie eine leere Cola-Dose im Schnee. Eiskalt und dumpf. Leer, nichts wirkt noch echt. Konsequenzen sind egal, Freunde sind egal, das eigene Leben ist egal. Alles ist scheiß egal. Nichts hat mehr einen Sinn. Keinen Bock auf Menschen, keinen Bock auf Bewegen, keinen Bock auch nur ein Wort zu sprechen. Am liebsten von morgens bis abends schweigen und hinter dunklen Gardinen verkriechen. Handy aus, Rechner maximal für nen Film an.

Ich habe versprochen, dass ich immer da bin, wenn was ist. Und ich konnte das Versprechen nicht einhalten, weil ich gerade einfach nicht funktioniere. Es geht NICHTS. Ich will seit Freitag aufräumen und sitze seitdem nur herum und mache alles mögliche, um mich davon abzulenken. Ich mache es sowieso nicht, das weiß ich genau. Also warum mit schlechtem Gefühl herumplagen, wenn ich mich ablenken kann. Fick dich Jan, schweif nicht ab!
Heute kann ich nicht. Ich kann es einfach nicht. In meinem Kopf klingt es so, als würde ein Album laufen, alle Songs gleichzeitig und rückwärts. Meine eigenen Gedanken, die irgendwo dazwischen herumhuschen, klingen wie eine würgende Katze, die kurz davor ist, nen Ball mit 4 Metern im Durchmesser auszukotzen. Dementsprechend reicht theoretisch schon ein Bild von 'ner verkackten Pusteblume, damit ich ausraste. Und wenn mir dann jemand kommt und mich einen Heuchler nennt, weil ich mein Versprechen nicht halten konnte und das Verständnis nur 'gespielt' war. Jeder, der mich 'n bisschen kennt weiß, wie ich es hasse, als Lügner bezeichnet zu werden. Vor allem, wenn es zu unrecht ist. Und dann auch noch bei sowas. Ich gebe zu, dass meine Wortwahl in der Nachricht kurz vor der Eskalation nicht bedacht war und ich vielleicht auch ein Arschloch war, in der Art und Weise, wie ich geschrieben habe. Der Versuch, direkt danach, bevor noch eine ganze Antwort kam, das richtig zu stellen, ging scheinbar derbe in die Hose. Ich versuchte zu sagen, dass es keine Vorwürfe an die genannte Person sind, sondern dass die Situation, in der ich mich befinde, zu viel für mich ist. Und dass die Worte darauf bezogen waren. Aber da war's scheinbar schon zu spät.
"Ach leck mich doch. Du laberst, du verstehst mich und jetzt machst du Vorwürfe deswegen.(...) Danke dafür, danke für dein geheucheltes Verständnis. Danke für gar nichts.."
Ich könnte meine ganze Einrichtung zerlegen, während ich Blut kotzend im Dreieck springe! Und das genau von einer Person, von der ich dachte, dass sie mich kennt. Und weiß, dass ich es niemals wagen würde, wegen so etwas scheiße zu erzählen. Wenn ich was nicht kapiere oder nachvollziehen kann, sage ich das. Bei dem Vergleich, dass sich alles einfach so scheiße leer anfühlt, kam noch "Das trifft es ganz genau." als Antwort.
Klar, das war alles gespielt, nichts war echt. Ich hab nie irgendjemanden verstanden und am wenigsten dich, dachte das war klar. War wohl bloß 'n Glückstreffer mit dem Gefühl. PAH! Mir wird richtig schlecht, wenn ich diese Worte aufschreibe!

Wenn da keine Bomben-Entschuldigung kommt, war's das für mich. Ich krieche auf blutigen Knien umher und gebe immer noch alles, um zumindest dann da sein zu können, wenn's wirklich wichtig ist. Als Dankeschön ist man dann der Heuchler. Danke, genau dieses Gefühl hatte ich schon ewig nicht mehr, das hab ich obendrein auch noch gebraucht. Ich nutzloses Stück Scheiße.
Vielleicht sollte ich nach Syrien und mich zwischen ein paar IS-Wichsern in die Luft sprengen. Dann beschwert sich nachher keiner, dass man mir auch noch 'n Grab bezahlen muss und ich hatte wenigstens einmal im Leben das Gefühl, etwas gutes getan zu haben.

Donnerstag, 14. Januar 2016

Entzugstagebuch: Eintrag 3

Tag 15

Im Vergleich zu den Tagen am Anfang geht es mir wirklich wunderbar. Ich kann sehr gut schlafen, träume mittlerweile normale Träume. Die Nächte sind angenehm und am Morgen bin ich ziemlich schnell ansprechbar und fit. Es fällt mir wieder leicht, Informationen aufzunehmen und umzusetzen. Ich kann mir problemlos 9 von 10 Dingen merken, ohne sie mir aufzuschreiben. Es ist toll, wirklich. Die Zeit auf Arbeit vergeht so schnell, wie lang nicht mehr. Heute zum Beispiel, habe ich beide Pausen verpasst und sie später als gewöhnlich nachgeholt. Ich kann offener mit Menschen umgehen und verhalte mich nicht gespielt natürlich, sondern bin einfach, wie ich bin. Freundlich, hilfsbereit, lustig.. doch gibt es eine Sache, die schlimmer geworden ist. Viel schlimmer. Mir fiel es nicht leicht, das zu verstehen. Vielleicht wollte ich es auch einfach nicht. Aber ich muss zugeben, dass ich voller Wut bin. In mir steckt ein riesiges, grauenvolles Etwas, das raus will. Wenn auf Arbeit irgendetwas ansteht, bei dem Rohe Kräfte sprechen müssen, ist das super. Ich hab noch nie ein Dielenbrett mit bloßer Hand aus dem Boden gerissen. Aber.. wenn es um soziale Interaktionen geht, ist es schrecklich. Reizbarkeit ist bei mir normal geworden. Ich könnte jedem zweiten Menschen das Auto eintreten oder ihm in die Schnauze hauen. Für eigentlich nichts. Neulich hielt eine Frau kurz auf dem Bürgersteig, damit ihr Mann die bestellte Pizza abholen kann. Ich kam problemlos daran vorbei, jedoch kochte in mir etwas auf. Wahrscheinlich kennt das jeder, der einmal Nudeln gekocht hat. Man sieht in den Topf und es scheint alles in Ordnung zu sein. Dann dreht man sich weg, um die Sauce vorzubereiten und schon hört man das Wasser zischen, das auf der Herdplatte verdampft. Andere Situation, exakt dasselbe Prinzip. Ich laufe mit Musik in den Ohren durch die Straßen und finde den Moment einfach angenehm. Es entspannt mich, durch die Dunkelheit zu wandern und dabei gute Musik zu hören. Alle sind im Stress, doch ich gehe einfach meinen Weg und weiß, dass ich gleich meine Ruhe habe, wenn die Tür hinter mir schließt. Ich blicke nach links, weil sich jemand hektisch bewegt. Ein junges Paar, das wahrscheinlich gerade vom Arzt kam, streitet sich. Der Mann zündet sich eine Zigarette an und macht diese "Was willst du eigentlich noch von mir!?"-Handbewegung.
Keine Ahnung, was dort los war. Meine Musik war zu laut, um ein Wort zu verstehen. Aber ich blieb stehen und sah ihm direkt in die Augen. Scheinbar habe ich ihm nur mit diesem Blick vermittelt, dass er aufpassen sollte, was er jetzt tut. Er sah mich an, während er etwas zu der Frau sagte. Als er mich sah, bewegten sich seine Lippen nicht weiter und seine Mimik schwenkte von sauer auf.. irgendwie eingeschüchtert. Er wirkte eigentlich nicht so, als würde er klein beigeben. Wie jemand, der gerne mal provoziert und auch die eine oder andere Prügelei erlebt hat. Doch er bewegte seinen Mund kein Stück mehr und ging die zwei Schritte zu seiner Autotür rückwärts, ohne mich dabei aus den Augen zu lassen, Er stieg ein und wartete auf seine Partnerin. Ich überlege selbst jetzt noch, ob ich ihm für sein respektloses Verhalten dieser Frau gegenüber nicht einfach die Fresse hätte polieren sollen.

So, oder so ähnlich, verlaufen die meisten meiner Gedanken. Voller Hass, beinahe jeder ist Abschaum oder ein unsagbar schlechter Mensch in meinen Augen. Falls sich jemand fragt, wieso ich mich nicht mehr melde, ist das nicht eure Schuld. Nur will ich solche Momente nicht mit euch erleben. Deshalb bleibe ich lieber allein und versinke in diesem Meer aus schlechten Gefühlen, bevor ich auch nur einem meiner Freunde sowas antue. Das ist vor zwei Tagen schon einmal passiert und das muss ich nicht nochmal haben. Denn das Monster hat mich noch nicht besiegt, ich kämpfe weiterhin dagegen an. Diese Scheiße, die Gläubige "Besessenheit" nennen, ist nichts anderes als tief verankerter Menschenhass, gemischt mit Sehnsucht nach dem, was man nicht haben kann oder darf.
Wenn ich davon keine Ahnung hätte, würde ich auch behaupten, dass mich ein Dämon im Griff hat. Emely Rose? Du bist eine scheiß Heuchlerin. Dein verfickter Dämon war nur das, wozu du dir zu fein warst, es zuzugeben.

Und jetzt bin ich raus für's erste. Hoffe der Dreck ist bald vorbei und ich kann mich wieder auf Freunde konzentrieren. Hoffe das nimmt mir keiner übel. Habe mir eben vorgestellt, wie es laufen würde, wenn jemand mir in nächster Zeit etwas vorwirft, oder mir von seinem ach so schlechten Leben erzählt, weil irgendwas nicht schnell genug geht, oder sich etwas nicht genug um sie dreht.. sie sollten es lassen. Der Zeitpunkt passt ganz und gar nicht. Keine lieben Worte, keine Aufmunterung für solche banale Scheiße. Wir sind nicht mehr im Kindergarten, wo das schlimmste ein kaputtes Spielzeugauto war. Wenn wirklich was ist, kann ich vernünftig darüber reden. Aber wenn es nur das Rumgejammere ist, das normalerweise nur von einer 12-jährigen kommt, dann bitte, sollen sie es für sich behalten. Ich kümmere mich um wirkliche Probleme und nicht um die, die sich die Leute selbst machen. Scheiß Lappen. Happy fuck you.

Dienstag, 5. Januar 2016

Entzugstagebuch: Eintrag 2

Tag 6

Das Zittern und die Träume werden seltener und sind nicht mehr so ausgeprägt. Eine Nacht habe ich jetzt sogar schon durchschlafen können. Mein Schlaf ist dennoch ziemlich unbefriedigend. Ich wache auf und weiß, selbst wenn ich mich an nichts schlimmes erinnern kann, dass die Träume nicht aufgehört haben. Bin ziemlich verstört, wenn ich wach werde.
Seit 2 Tagen habe ich derbe Kopfschmerzen, die bei jedem Atemzug scheiße weh tun. Deshalb fällt meine Wortwahl heute wohl auch recht einfach aus.
Wie auch immer. Es sind starke Stimmungsschwankungen dazugekommen. Und damit meine ich nicht, dass es mir ne Stunde lang gut geht und ich danach schlechte Laune bekomme. Nein, in einer Minute könnte ich die ganze Welt umarmen, in der nächsten fange ich an zu weinen, dann hasse ich alles und jeden, denke darüber nach, mich zu verletzen, komme eine Minute später wieder von dem Gedanken ab und bin voller Sehnsucht nach Liebe und Zuneigung. Dann bin ich ultra gut gelaunt, könnte tanzen und singen, als wäre ich wunschlos glücklich. Das alles ist gestern ungelogen innerhalb 10 Minuten passiert. Und so läuft es den ganzen Tag ab. Ich habe Bock eine Serie zu gucken, starte diese und nach dem Intro ist die Lust wieder verflogen. Die kleinste Verletzung meiner Gefühle lässt mich innerlich rasen. Hab das Gefühl, ich bin gerade eine Maschine, die völlig durchdreht, bevor sie den Geist aufgibt. Das macht mich wahnsinnig. Wortwörtlich.

Meine Finger zucken seit 3 Tagen ungewollt immer wieder. Lärm, Temperatur und Gerüche sind für mich unerträglich, egal ob sie normalerweise angenehm erscheinen. Selbst die Musik, die ich sonst mit Leib und Seele höre, geht mir auf die Nerven. Beim Geruch von frischem Kaffee wird mir schlecht. Es ist wirklich unangenehm. Mir schmeckt nichts mehr. Ich versuche meinen Hunger einfach zu ignorieren, weil mir von allem übel wird und mir der Appetit schon beim Zubereiten vergeht. Heute kann mich die Welt wirklich mal am Arsch lecken, wehe irgendwer kommt an und wirft mir heute irgendetwas vor. Ich versuche mich zurückzuhalten, aber allein der Gedanke, dass irgendwem nicht passen könnte, dass ich nicht zurückschreibe, geht mir tierisch gegen den Strich.
Lasst mich heute einfach in Ruhe. Ist besser so.
Heute ist die Versuchung derbe groß, loszuziehen und mir was zu besorgen. Ich will nur, dass das aufhört. Ablenkung wäre schön. Ich meine richtige Ablenkung, sodass ich wirklich n paar Stunden was schönes erlebe. Aber das will ich gerade niemandem antun.

Reicht jetzt auch, ein Blick auf mein Handy hat mich gerade so derbe sauer gemacht, dass ich hier gleich Amok laufe und im Dreieck kotze.
Schotte mich jetzt von der Außenwelt ab. Mal schauen wie lange.

Sonntag, 3. Januar 2016

Entzugstagebuch - Eintrag 1

Tag 4.

Ich wusste, worauf ich mich eingelassen habe. Süße Verführung und geistige Schwäche sind ein Cocktail, den man besser nicht probiert. Ich habe daran geglaubt, dass es dadurch einfacher wird. Dass ich meine Gefühle damit etwas erträglicher machen kann. Wie dumm ich war, zu denken, dass es ein Ventil sein könnte, das den Druck von der Seele und dem Herzen nimmt. Es ist keineswegs etwas in dieser Art. Es ist ein Staudamm, der alles in einem lässt, was geschah und geschieht. Es versperrt alle Ausgänge für Tränen, Träume und Gefühle. Ein Gift für Geist und Sinne. Die Gedanken sind durch den Rauch von jedem Zug wortwörtlich vernebelt. Ich traf Entscheidungen, ohne die langfristigen Auswirkungen erkennen zu können. Es ist einfach nur ein dreckiges Gefühl. 

Irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich mir nur noch wie ein jämmerliches, erbärmliches Häufchen Dreck vorkam. Ich wusste, dass ich etwas ändern muss. Schon lange bevor ich an diesem Abgrund stand. Doch musste ich springen, um davonzukommen. In diesem Abgrund erwartet mich ein Sturm aus Albträumen, der mich tagelang stürzen und an die scharfen Wände der Klippen schlagen lässt. Dort befinde ich mich jetzt in diesem Augenblick. Schmerzen, Kontrollverlust über den eigenen Körper und Albträume, die sich anfühlen, als würde ich in einem Tsunami aus Blut und Angst ertrinken. 
Ich bin es gewohnt, schlecht zu träumen. Ich weiß nicht mehr, ob ich im letzten Jahr überhaupt einen Traum hatte, der mich mit Glück erfüllt hat. Und seit September träumte ich überhaupt nicht mehr. Doch diese Bilder sind anders, als normale Träume. Stunde für Stunde wache ich auf. Aufgrund der schrecklichsten Szenarien, die sich mein Kopf nur vorstellen kann. Verluste, durch Tod und verblassende Beziehungen zu anderen. Menschen die ich liebe kehren mir ihren Rücken oder die Spitze eines Messers zu. Oder ich bin derjenige, der das Blut meiner Liebsten vergießt. Dabei scheint alles so real, als wäre ich nicht im Traum, sondern in einer anderen Welt, welche mich festhält, bis ich diese Bilder gesehen habe. 
Die Zeit in der ich mich betäubte, war die Ruhe vor dem Sturm, den ich gesät habe. Und je ruhiger und länger diese Zeit ist, desto heftiger tobt er am Ende. Ich habe furchtbare Angst zu schlafen. Seit 3 Nächten tu ich das auch kaum, ohne immer wieder schweißgebadet aufzuwachen und am ganzen Körper zu zittern. Mir ist kalt, egal wie warm der Raum ist, in dem ich mich befinde. Denn diese Kälte kommt von innen. Es ist wie Fieber, welches durch meinen Körper wandert. Nur fühlt sich Fieber angenehmer an. Im Laufe der Tage wird es wahrscheinlich noch schlimmer. Mir ist bewusst, dass ich diesen Weg aus eigener Entscheidung gegangen bin, von Anfang an. Dennoch hoffe ich, dass mir irgendwer ein bisschen Mut und Kraft schenken kann, um den Weg durch diese Hölle zu überstehen. Auch wenn es das nicht unbedingt weniger schlimm macht, was ich erleben werde. Doch vielleicht komme ich dann besser darauf klar, wenn ich mich dabei nicht allein fühle. Ich bin jedem dankbar, der mir einfach nur ein Lächeln auf's Gesicht zaubern und mich einen Moment ablenken kann.