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Dienstag, 5. Januar 2016

Entzugstagebuch: Eintrag 2

Tag 6

Das Zittern und die Träume werden seltener und sind nicht mehr so ausgeprägt. Eine Nacht habe ich jetzt sogar schon durchschlafen können. Mein Schlaf ist dennoch ziemlich unbefriedigend. Ich wache auf und weiß, selbst wenn ich mich an nichts schlimmes erinnern kann, dass die Träume nicht aufgehört haben. Bin ziemlich verstört, wenn ich wach werde.
Seit 2 Tagen habe ich derbe Kopfschmerzen, die bei jedem Atemzug scheiße weh tun. Deshalb fällt meine Wortwahl heute wohl auch recht einfach aus.
Wie auch immer. Es sind starke Stimmungsschwankungen dazugekommen. Und damit meine ich nicht, dass es mir ne Stunde lang gut geht und ich danach schlechte Laune bekomme. Nein, in einer Minute könnte ich die ganze Welt umarmen, in der nächsten fange ich an zu weinen, dann hasse ich alles und jeden, denke darüber nach, mich zu verletzen, komme eine Minute später wieder von dem Gedanken ab und bin voller Sehnsucht nach Liebe und Zuneigung. Dann bin ich ultra gut gelaunt, könnte tanzen und singen, als wäre ich wunschlos glücklich. Das alles ist gestern ungelogen innerhalb 10 Minuten passiert. Und so läuft es den ganzen Tag ab. Ich habe Bock eine Serie zu gucken, starte diese und nach dem Intro ist die Lust wieder verflogen. Die kleinste Verletzung meiner Gefühle lässt mich innerlich rasen. Hab das Gefühl, ich bin gerade eine Maschine, die völlig durchdreht, bevor sie den Geist aufgibt. Das macht mich wahnsinnig. Wortwörtlich.

Meine Finger zucken seit 3 Tagen ungewollt immer wieder. Lärm, Temperatur und Gerüche sind für mich unerträglich, egal ob sie normalerweise angenehm erscheinen. Selbst die Musik, die ich sonst mit Leib und Seele höre, geht mir auf die Nerven. Beim Geruch von frischem Kaffee wird mir schlecht. Es ist wirklich unangenehm. Mir schmeckt nichts mehr. Ich versuche meinen Hunger einfach zu ignorieren, weil mir von allem übel wird und mir der Appetit schon beim Zubereiten vergeht. Heute kann mich die Welt wirklich mal am Arsch lecken, wehe irgendwer kommt an und wirft mir heute irgendetwas vor. Ich versuche mich zurückzuhalten, aber allein der Gedanke, dass irgendwem nicht passen könnte, dass ich nicht zurückschreibe, geht mir tierisch gegen den Strich.
Lasst mich heute einfach in Ruhe. Ist besser so.
Heute ist die Versuchung derbe groß, loszuziehen und mir was zu besorgen. Ich will nur, dass das aufhört. Ablenkung wäre schön. Ich meine richtige Ablenkung, sodass ich wirklich n paar Stunden was schönes erlebe. Aber das will ich gerade niemandem antun.

Reicht jetzt auch, ein Blick auf mein Handy hat mich gerade so derbe sauer gemacht, dass ich hier gleich Amok laufe und im Dreieck kotze.
Schotte mich jetzt von der Außenwelt ab. Mal schauen wie lange.

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