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Sonntag, 24. Januar 2016

Explosion.

Was da gerade schlägt, ist kein Herz. Das ist ein Verbrennungsmotor, der seine Kolben von innen gegen meinen Brustkorb hämmert. Kann mich auch nicht daran erinnern, dass es schon einmal so wild und stark geschlagen hat. Wie ein Flipperautomat mit Kontaktminen, die im Vier-Viertel-Takt ausgelöst werden. Eine scheiß Kettenreaktion aus Explosionen in meinem Körper, die das Blut nicht pumpen, sondern schießen. Die Zähne knirschen, der Körper zittert wie bei 'ner Badetour im Eismeer. Tasten treffen ist auch schon leichter gewesen.

Mir fehlen die Worte. Ernsthaft, ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Jeder will Verständnis für seine Probleme, aber wenn ich sage, dass ich gerade mal nicht dazu in der Lage bin, soziale Kontakte zu pflegen, weil ich in jeder Sekunde von 0 auf 180.. sagen wir lieber auf 3600 gehen kann, bin ich ein Heuchler. Ich heuchle mein Verständnis für Probleme. Die Szene, um die es sich handelt, habe ich noch im Kopf, als wäre es vor 5 Minuten passiert. Ich habe geheult wie ein Kind, war verzweifelt und hab den Schmerz von früher wieder gefühlt. Das war wie eine Zeitreise in meinen privaten Holocaust, weil die beschriebenen Gefühle genau das waren, was ich erlebte. Ich weiß ganz genau, wovon wir gesprochen haben. Ich weiß ganz genau, wie es sich anfühlt. Wie eine leere Cola-Dose im Schnee. Eiskalt und dumpf. Leer, nichts wirkt noch echt. Konsequenzen sind egal, Freunde sind egal, das eigene Leben ist egal. Alles ist scheiß egal. Nichts hat mehr einen Sinn. Keinen Bock auf Menschen, keinen Bock auf Bewegen, keinen Bock auch nur ein Wort zu sprechen. Am liebsten von morgens bis abends schweigen und hinter dunklen Gardinen verkriechen. Handy aus, Rechner maximal für nen Film an.

Ich habe versprochen, dass ich immer da bin, wenn was ist. Und ich konnte das Versprechen nicht einhalten, weil ich gerade einfach nicht funktioniere. Es geht NICHTS. Ich will seit Freitag aufräumen und sitze seitdem nur herum und mache alles mögliche, um mich davon abzulenken. Ich mache es sowieso nicht, das weiß ich genau. Also warum mit schlechtem Gefühl herumplagen, wenn ich mich ablenken kann. Fick dich Jan, schweif nicht ab!
Heute kann ich nicht. Ich kann es einfach nicht. In meinem Kopf klingt es so, als würde ein Album laufen, alle Songs gleichzeitig und rückwärts. Meine eigenen Gedanken, die irgendwo dazwischen herumhuschen, klingen wie eine würgende Katze, die kurz davor ist, nen Ball mit 4 Metern im Durchmesser auszukotzen. Dementsprechend reicht theoretisch schon ein Bild von 'ner verkackten Pusteblume, damit ich ausraste. Und wenn mir dann jemand kommt und mich einen Heuchler nennt, weil ich mein Versprechen nicht halten konnte und das Verständnis nur 'gespielt' war. Jeder, der mich 'n bisschen kennt weiß, wie ich es hasse, als Lügner bezeichnet zu werden. Vor allem, wenn es zu unrecht ist. Und dann auch noch bei sowas. Ich gebe zu, dass meine Wortwahl in der Nachricht kurz vor der Eskalation nicht bedacht war und ich vielleicht auch ein Arschloch war, in der Art und Weise, wie ich geschrieben habe. Der Versuch, direkt danach, bevor noch eine ganze Antwort kam, das richtig zu stellen, ging scheinbar derbe in die Hose. Ich versuchte zu sagen, dass es keine Vorwürfe an die genannte Person sind, sondern dass die Situation, in der ich mich befinde, zu viel für mich ist. Und dass die Worte darauf bezogen waren. Aber da war's scheinbar schon zu spät.
"Ach leck mich doch. Du laberst, du verstehst mich und jetzt machst du Vorwürfe deswegen.(...) Danke dafür, danke für dein geheucheltes Verständnis. Danke für gar nichts.."
Ich könnte meine ganze Einrichtung zerlegen, während ich Blut kotzend im Dreieck springe! Und das genau von einer Person, von der ich dachte, dass sie mich kennt. Und weiß, dass ich es niemals wagen würde, wegen so etwas scheiße zu erzählen. Wenn ich was nicht kapiere oder nachvollziehen kann, sage ich das. Bei dem Vergleich, dass sich alles einfach so scheiße leer anfühlt, kam noch "Das trifft es ganz genau." als Antwort.
Klar, das war alles gespielt, nichts war echt. Ich hab nie irgendjemanden verstanden und am wenigsten dich, dachte das war klar. War wohl bloß 'n Glückstreffer mit dem Gefühl. PAH! Mir wird richtig schlecht, wenn ich diese Worte aufschreibe!

Wenn da keine Bomben-Entschuldigung kommt, war's das für mich. Ich krieche auf blutigen Knien umher und gebe immer noch alles, um zumindest dann da sein zu können, wenn's wirklich wichtig ist. Als Dankeschön ist man dann der Heuchler. Danke, genau dieses Gefühl hatte ich schon ewig nicht mehr, das hab ich obendrein auch noch gebraucht. Ich nutzloses Stück Scheiße.
Vielleicht sollte ich nach Syrien und mich zwischen ein paar IS-Wichsern in die Luft sprengen. Dann beschwert sich nachher keiner, dass man mir auch noch 'n Grab bezahlen muss und ich hatte wenigstens einmal im Leben das Gefühl, etwas gutes getan zu haben.

3 Kommentare:

  1. Mein Soldat würde dich mit seinem Leben beschützen. Also vergiss den letzten Teil.

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  2. Du hast mir Vorwürfe gemacht, mit dem was du ja "angeblich" verstehen kannst. Du hast mich deshalb voll angemacht. Es ging nie darum das du nicht für mich da warst, sondern du hast mir einen Vorwürf gemacht, weil ich dir fast nie Geschrieben habe und ich hatte dir erklärt warum, was du ja total nachvollziehen konntest und 2 oder 3 Wochen später machst du mich dafür dumm von der Seite an. Du hast es ja scheinbar nur in den falschen Hals bekommen, aber ich seh es nicht ein so etwas hier zu lesen. Finde ich ziemlich scheiße. Du tust auch so, als sei ich der schlimmste Mensch überhaupt und war zu unrecht angepisst. Schön zu lesen wie du wirklich dachtest.
    Nicht mal 2 Stunden später war alles wieder in Ordnung.

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    1. Du warst nicht die einzige, der es schlecht ging. Du warst zu dem Zeitpunkt der einzige Mensch, den ich an mich herangelassen habe. Tut mir wirklich leid, dass ich in meiner Verzweiflung versucht habe, einen Zugang zu dir zu finden und uns beiden damit zu helfen. Jedes Scheitern hat mich weiter frustriert. Und nein, ich habe meine Gefühle im Frust nicht im Griff. Du wusstest das genauso, wie ich wusste, wie es dir ging. Unser Verhalten war menschlich. Wo solche Gefühle sind, entsteht auch Spannung. Keiner von uns ist wirklich der Schuldige in der Sache.
      Wenn alles in Ordnung gewesen wäre, hätte die Geschichte nicht diesen Lauf genommen. Ich für meinen Teil hatte etwas Trost, weil du da warst. Aber in Ordnung war es immer noch nicht.

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