Sie hat sich gerade so weit ins Aus geschossen, dass er sie nicht mehr sehen kann. Enttäuscht ist er seit Ewigkeiten nicht mehr, traurig macht es ihn auch nicht. Er hasst sie. Wünschte, sie wäre niemals ein Teil seines Lebens gewesen. Nicht eine Minute. Er bereut seine Entscheidung. Bereut es, schwach gewesen zu sein. Bereut es, nichts geändert zu haben. Doch sie macht weiter und führt ein schönes Leben. Streicht sie ihn, ist alles gut. Sie braucht ihn nicht, hat es ihm immer wieder gezeigt. Genügend Worte sind die Beweise dafür, wie wenig sie sich für ihn interessiert. Mann, wie das einfach war, damals vor 13 Jahren. Alles war so schön scheiß egal. Er machte sich keinen Kopf darum, was später einmal sein könnte. Nicht viel später stürzte er ab. Warf alles hin, gab sich auf, gab sein Leben auf und fing an zu hassen. Sie sah nicht einmal zu. Sie schlief, wachte auf, beschwerte sich, wie scheiße alles sei und schlief wieder ein. Wie scheiße kann es schon sein, seine Kinder um sich herum zu haben? Wie scheiße kann es schon sein, etwas zu haben, was viele nicht haben? Sie schätzte nicht, was sie hatte. Ein paar Jahre danach verlor sie ihn. Merkte es erst, als es zu spät war. Er dachte, dass alles besser werden könnte. Doch die kurze Zeit, die es dann klappte, ist heute nichts mehr wert. Es ist schlimmer als jemals zuvor. Sie verurteilt ihn für all das, was er denkt, statt selber den Kopf einzuschalten und sich Gedanken zu machen, warum er so geworden ist. Aus ihrer Sicht ist er ein unausstehliches Arschloch. Er sieht sich ganz anders. Er hat einfach keine Lust mehr, dieses Spiel zu spielen. Immer wieder eins in die Schnauze zu bekommen, ohne dass auch nur kurz darüber nachgedacht wird, was aus ihm wird.
Jetzt hat sie jemanden, der ihr Spiel scheinbar besser spielt, als sie selbst. Und lässt dafür ihre Familie zurück. Er und sein Bruder, sitzen nur in ihrem Zimmer und warten, bis der nächste Tag beginnt, damit sie das Haus verlassen können. Das Leben dieser beiden Brüder ist mit ihr schon so eingefahren, dass sie es alleine nicht schaffen, von dieser Schiene abzuspringen. Er hat es geschafft, er widersetzt sich diesem Spiel um Lug und Trug, in dem nichts echt ist. Wahrheit und Familie sind hier zweitrangig, nach dem eigenen Wohlbefinden. Es wurde ihm so beigebracht und er lebt es weiter. Aber in seine neue, einzig richtige Familie nimmt er dieses Beispiel nicht mit. Es bleibt in diesem Haus. Genau wie sein kleiner Bruder. Er macht sich täglich Gedanken darüber, wie er das alles aufnimmt. Wie er das alles bewältigt. Er fehlt ihm sehr. Und er hat eine riesen Angst um ihn.
Es fühlt sich an, als wäre sie schon vor vielen Jahren gestorben. Vielleicht ist ja genau das passiert.
Vielleicht ist sie schon lange tot.
Manchmal muss man sich trennen, gehen, das Haus verlassen, um sich näher zu kommen. Und manchmal muss man an sich denken, nur an sich, um atmen zu können. Egal wie schwer die Angst und Sorge auf den Schultern liegen. Man hat nur ein Leben. Und darum sollte man sich kümmern. Um sein eigenes. So schwer das auch sein mag.
AntwortenLöschenVergiss dein Lächeln nicht, das klang doch immer so lustig.
Ist nicht immer so einfach.. Wenn man kein Geld hat und das Amt einem nicht helfen kann, oder eher möchte, hat man ganz schlechte Karten..
AntwortenLöschenScheiß drauf, ich hab bisher alles mehr oder weniger gut hinbekommen, dann schaffe ich das auch..
Natürlich schaffst du das, das weiß ich wohl mit am besten.
AntwortenLöschenWohne jetzt bei meinem Dad, seit ca. 2 Monaten.
AntwortenLöschenDas Ding, was mal meine Mum war, ist endgültig tot. Ich verspüre nur noch Hass für sie. Das mit dem "um sich näher zu kommen." hat sich für immer erledigt. Wenn sie bei mir ankommen sollte, spucke ich ihr ins Gesicht. Wenn sie Glück hat.